{"id":1815,"date":"2012-09-17T14:34:30","date_gmt":"2012-09-17T12:34:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.historikerkomitee.de\/?page_id=1815"},"modified":"2013-05-13T21:53:23","modified_gmt":"2013-05-13T19:53:23","slug":"im-gedenken-an-peter-kruger-1935-2011","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.historikerkomitee.de\/?page_id=1815","title":{"rendered":"Im Gedenken an Peter Kr\u00fcger (1935-2011)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.historikerkomitee.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Krueger.jpg\"><img loading=\"lazy\" style=\"margin: 15px;\" src=\"http:\/\/www.historikerkomitee.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Krueger-234x300.jpg\" title=\"Krueger\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1816\" height=\"300\" width=\"234\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b><i>Peter Kr\u00fcger (1935-2011)<\/i><\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 16. September 2011 ist Peter Kr\u00fcger im Alter von 75 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit in Mar-burg gestorben. Der emeritierte Neuzeithistoriker, 1935 in Eisenach geboren, war einer der profilier-testen Vertreter der Geschichte der internationalen Beziehungen in der Bundesrepublik Deutschland. Bereits seine Dissertation, die er 1962 \u2013 im Anschluss an sein Studium der Geschichte, Germanistik, Politikwissenschaft und Kunstgeschichte in Marburg und M\u00fcnchen \u2013, bei Franz Schnabel an der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t in M\u00fcnchen abschloss, behandelte ein entsprechendes Thema: \u201eDie Beziehun-gen der Rheinischen Pfalz zu Westeuropa 1576-1582. Die ausw\u00e4rtigen Beziehungen des Pfalzgrafen Johann Casimir 1576-1582\u201c. Dem schloss sich 1972 die Habilitation an der Albertus-Magnus-Universit\u00e4t zu K\u00f6ln an: F\u00fcr seine Habilitationsschrift zum Thema \u201eDeutschland und die Reparationen 1918\/19. Die Genesis des Reparationsproblems in Deutschland zwischen Waffenstillstand und Versailler Friedens-schluss\u201c profitierte Peter Kr\u00fcger von seiner Editorent\u00e4tigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Aus-w\u00e4rtigen Amtes im Rahmen der Herausgabe der \u201eAkten zur deutschen ausw\u00e4rtigen Politik 1918-1945\u201c. Zugleich hatte er damit einen Gegenstand und eine Epoche gefunden, die seine Forschungsarbeit \u00fcber Jahrzehnte bestimmen und seine wissenschaftliche Reputation begr\u00fcnden sollten: die Au\u00dfenpolitik der Weimarer Republik. Ihr widmete er nach seiner Habilitation nicht nur eine F\u00fclle von Aufs\u00e4tzen in renom-mierten Fachzeitschriften, sondern 1985 auch eine umfassende Monographie \u2013 \u201eDie Au\u00dfenpolitik der Republik von Weimar\u201c \u2013, die zum Standardwerk avancierte, und sie sollte ihn noch bis in seine letzte Le-bensphase besch\u00e4ftigen in Form einer Edition der Schriften und einer sie begleitenden Biographie des Staatssekret\u00e4rs im Ausw\u00e4rtigen Amt der Jahre 1924 bis 1930, Carl von Schubert .<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Besondere an Peter Kr\u00fcgers Darstellung der \u201eAu\u00dfenpolitik von Weimar\u201c war, dass sie die zentrale Bedeutung der Jahre 1924 bis 1929 und der Person des damaligen Au\u00dfenministers Gustav Stresemann sowie eben die seines Staatssekret\u00e4rs Carl von Schubert herausarbeitete: Mit ihnen verband sich f\u00fcr Peter Kr\u00fcger der Wille, Deutschland wieder in das internationale System einzugliedern und das weiterhin g\u00fcltige Ziel einer zumindest partiellen Revision des Versaillers Vertrags nur noch im Einvernehmen mit den Siegerm\u00e4chten zu erreichen. Bei dieser Hinwendung insbesondere zum Westen \u2013 gipfelnd in der Locarno-Politik von 1925 \u2013 handelte es sich f\u00fcr ihn um einen tiefgreifenden, durchaus ernst gemeinten \u2013 und nicht nur instrumental-taktischen \u2013 Methodenwechsel, der daher das Attribut einer spezifischen \u201e\u201a Weimarer\u2018 Au\u00dfenpolitik\u201c verdiene. Damit begr\u00fcndete Peter Kr\u00fcger seinen Ruf als dem Kenner schlechthin der deutschen Au\u00dfenpolitik der Zwischenkriegszeit. Bereits 1975 war er auf einen Lehrstuhl f\u00fcr Neuere Geschichte an die Philipps- Universit\u00e4t Marburg berufen worden. 1984 erhielt er dann ein Stipendium des Woodrow Wilson International Center for Scholars in Washington. 1993\/94 war er Forschungsstipendiat des Historischen Kollegs M\u00fcnchen. Eine ganze Reihe ehrenvoller Mitgliedschaften \u2013 etwa in der Gesellschaft f\u00fcr Geistesgeschichte, der Vereinigung f\u00fcr Verfassungsgeschichte oder dem Collegium Carolinum \u2013 kamen hinzu. Gleichzeitig wurden seine Forschungsergebnisse zur Au\u00dfenpolitik der Weimarer Republik gerade auch in Frankreich intensiv rezipiert und motivierten hier eigene Studien, die belegten, wie anregend Peters Kr\u00fcgers \u00dcberlegungen waren. Damit wurde fernerhin einem Wissen-schaftler Anerkennung gezollt, der \u00fcber die Ergebnisse seiner konkreten Forschungen hinaus die gene-relle Untersuchung der internationalen Beziehungen der Neuzeit auch methodisch befruchtete. Hiervon zeugte der vom Hessischen Ministerium f\u00fcr Wissenschaft und Kunst positiv evaluierte und finanzierte Forschungsschwerpunkt \u201eGeschichte und Struktur internationaler Systeme\u201c, den Peter Kr\u00fcger 1989 zusammen mit einigen Marburger Kollegen begr\u00fcndete.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dazu passte, dass Peter Kr\u00fcger weit davon entfernt war, ein klassischer Politikhistoriker zu sein. Im Gegenteil: Bereits mit seiner Habilitationsschrift belegte er seine intime Kenntnis finanz- und wirtschafts-politischer Zusammenh\u00e4nge. 1986 publizierte er dann \u2013 in geradezu idealer Erg\u00e4nzung zu seinem Stan-dardwerk \u00fcber die Au\u00dfenpolitik der Republik von Weimar \u2013 eine konzise Darstellung der innenpo-litischen Bedingtheiten der ausw\u00e4rtigen Beziehungen Deutschlands in der Zwischenkriegszeit, insbeson-dere der Stresemannschen Entspannungspolitik, die, mit Ausnahme weniger g\u00fcnstiger Momente, auch durch die \u00f6ffentliche Meinung in Deutschland und deren mehrheitliche Ablehnung von \u201eVersailles\u201c an ihrer vollst\u00e4ndigen Entfaltung gehindert worden war. Doch dem gesellten sich noch eine Vielzahl anderer wissenschaftlicher Interessen hinzu: an geistes- und ideengeschichtlichen Fragen \u00fcber verfassungs-und verwaltungsgeschichtliche bis hin zu v\u00f6lkerrechtlichen Themen. Mit ungeheurem Flei\u00df, aber auch einer gro\u00dfen Freude an der wissenschaftlichen Arbeit stellte Peter Kr\u00fcger sich immer wieder neuen wissen-schaftlichen Herausforderungen, deren Meisterung sich in gehaltvollen Aufs\u00e4tzen, Monographien und Sammelb\u00e4nden materialisierte. Seine breite Bildung und seine vielf\u00e4ltigen Interessen zeichneten ihn da-bei auch als akademischen Lehrer aus. Gleichzeitig profitierten Sch\u00fcler wie Kollegen von seiner menschli-chen Anteilnahme und seiner steten Hilfsbereitschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2006 legte Peter Kr\u00fcger noch einmal eine gro\u00dfe, breit angelegte Studie sui generis zur Herausbildung der Europ\u00e4ischen Union vor \u2013 \u201eDas unberechenbare Europa. Epochen des Integrationsprozesses vom sp\u00e4ten 18. Jahrhundert bis zur Europ\u00e4ischen Union\u201c \u2013, die gewisserma\u00dfen die Frucht seiner jahrzehntelangen Besch\u00e4ftigung mit der europ\u00e4ischen Geschichte der Neuzeit darstellte: Nicht nur, dass er den \u00fcblicher-weise auf die Zeit nach 1945 \u2013 also die eigentliche Gr\u00fcndungsphase europ\u00e4ischer Gemeinschaftsinsti-tutionen \u2013 beschr\u00e4nkten Geschichtszeitraum stark ausweitete, indem er einen Blick zur\u00fcck bis weit ins 18. Jahrhundert warf, sondern er bot \u00fcberdies auch keine einfache europ\u00e4ische Ereignis- oder Institutionengeschichte, sondern eine tief sch\u00fcrfende Analyse europ\u00e4ischer Integrationsprozesse der letzten gut 200 Jahren. Dabei sah er der Zukunft der Europ\u00e4ischen Union optimistisch entgegen: Zwar beklagte er, dass die Politik den bis dato zielf\u00fchrenden Weg einer pragmatischen sektoralen Einigung verlassen habe und mahnte zur R\u00fcckkehr zum Bew\u00e4hrten. Gleichzeitig aber \u00e4u\u00dferte er die \u00dcberzeugung, dass die junge Generation bereits jetzt ein \u201egelebtes\u201c Europa verk\u00f6rpere und dementsprechend auch die Zukunft positiv pr\u00e4gen werde. In diesem wohl abgewogenen Ausblick spiegelte sich beispielhaft das Cre-do eines Mannes, der als Historiker immer akribisch arbeitete und stets kritische Distanz zum Thema wahrte, der indes als Zeitgenosse ein \u00fcberzeugter Anh\u00e4nger der deutsch-franz\u00f6sischen Verst\u00e4ndigung sowie der europ\u00e4ischen Einigung war und als leidenschaftlicher akademischer Lehrer der jungen Gene-ration stets zugewandt blieb und Vertrauen entgegenbrachte. Derart wird er allen, die ihn kannten, in dankbarer und ehrender Erinnerung bleiben, und ihr Mitgef\u00fchl gilt in besonderer Weise seiner Ehefrau Dr. Ingrid Kr\u00fcger-Bulcke, die bis zuletzt an seiner Seite war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Prof. Dr. Reiner Marcowitz<br \/>\nUniversit\u00e9 de Lorraine<br \/>\nMitglied des Vorstandes desDeutsch-Franz\u00f6sischen Historikerkomitees <\/i><\/p>\n<div class=\"wp-socializer wpsr-share-icons\" data-lg-action=\"show\" data-sm-action=\"show\" data-sm-width=\"768\"><div class=\"wpsr-si-inner\"><div class=\"socializer sr-popup sr-32px sr-squircle sr-opacity sr-pad\"><span class=\"sr-facebook\"><a data-id=\"facebook\" style=\"color:#ffffff;\" rel=\"nofollow\" href=\"https:\/\/www.facebook.com\/share.php?u=\" target=\"_blank\" title=\"Share this on Facebook\"><i class=\"fab fa-facebook-f\"><\/i><\/a><\/span>\n<span class=\"sr-twitter\"><a data-id=\"twitter\" style=\"color:#ffffff;\" rel=\"nofollow\" href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?text=%20-%20%20\" target=\"_blank\" title=\"Tweet this !\"><i class=\"fab fa-twitter\"><\/i><\/a><\/span>\n<span class=\"sr-linkedin\"><a data-id=\"linkedin\" style=\"color:#ffffff;\" rel=\"nofollow\" href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/sharing\/share-offsite\/?url=\" target=\"_blank\" title=\"Add this to LinkedIn\"><i class=\"fab fa-linkedin-in\"><\/i><\/a><\/span>\n<span class=\"sr-pdf\"><a data-id=\"pdf\" style=\"color:#ffffff;\" rel=\"nofollow\" href=\"https:\/\/www.printfriendly.com\/print?url=\" target=\"_blank\" title=\"Convert to PDF\"><i class=\"fa fa-file-pdf\"><\/i><\/a><\/span>\n<span class=\"sr-share-menu\"><a href=\"#\" target=\"_blank\" title=\"More share links\" style=\"color:#ffffff;\" data-metadata=\"{&quot;url&quot;:&quot;&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;excerpt&quot;:&quot;&quot;,&quot;image&quot;:&quot;&quot;,&quot;short-url&quot;:&quot;&quot;,&quot;rss-url&quot;:&quot;http:\\\/\\\/www.historikerkomitee.de\\\/?feed=rss2&quot;,&quot;comments-section&quot;:&quot;comments&quot;,&quot;raw-url&quot;:null,&quot;twitter-username&quot;:&quot;&quot;,&quot;fb-app-id&quot;:&quot;&quot;,&quot;fb-app-secret&quot;:&quot;&quot;}\"><i class=\"fa fa-plus\"><\/i><\/a><\/span><\/div><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Peter Kr\u00fcger (1935-2011) Am 16. 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