{"id":3473,"date":"2017-03-23T18:42:17","date_gmt":"2017-03-23T16:42:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.historikerkomitee.de\/?p=3473"},"modified":"2017-03-23T18:42:17","modified_gmt":"2017-03-23T16:42:17","slug":"en-hommage-a-im-gedenken-an-lothar-hilbert-1924-2015","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.historikerkomitee.de\/?p=3473","title":{"rendered":"En hommage \u00e0 \/ im Gedenken an Lothar Hilbert (1924-2015)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-3474\" src=\"http:\/\/www.historikerkomitee.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Lothar-Hilbert_V2-240x300.jpg\" alt=\"\" width=\"240\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.historikerkomitee.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Lothar-Hilbert_V2-240x300.jpg 240w, http:\/\/www.historikerkomitee.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Lothar-Hilbert_V2-120x150.jpg 120w, http:\/\/www.historikerkomitee.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Lothar-Hilbert_V2.jpg 371w\" sizes=\"(max-width: 240px) 100vw, 240px\" \/>Am 22. Februar 2015 ist Lothar Hilbert verstorben<\/strong>, Professor im Ruhestand am Seminar f\u00fcr Zeitgeschichte der Eberhard-Karls-Universit\u00e4t T\u00fcbingen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Viele kennen ihn durch seine h\u00e4ufige und engagierte Teilnahme an den bi-annuellen Kolloquien des Deutsch-Franz\u00f6sischen Historikerkomitees. Er hat \u00fcber mehr als 25 Jahre, praktisch seit der Gr\u00fcndung des Komitees, dessen Arbeit und Entwicklung konstruktiv begleitet. Das Komitee verliert mit ihm einen guten Geist, <em>\u00a0<\/em>der hochkompetent und wohlwollend im Hintergrund wirkte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lothar Hilbert wurde am 5. Oktober 1924 in Magdeburg geboren. \u00dcber seine Herkunft, Kindheit und Jugend hat er sich wenig ge\u00e4u\u00dfert. Im Zweiten Weltkrieg erlitt er eine Kopfverletzung, die ihn lebenslang plagte, ohne da\u00df er davon Aufhebens machte, die aber vielleicht sein zur\u00fcckhaltendes und manchmal etwas eigenwilliges Wesen erkl\u00e4ren kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach dem Krieg, seit 1946, erarbeitete er sich mit zwei Studieng\u00e4ngen eine weite und profunde Fachkompetenz: das erste Studium umfa\u00dfte die F\u00e4cher Geschichte, Geographie, Englisch und Philosophie, das Zweitstudium Jura, im besonderen Staatsrecht und V\u00f6lkerrecht, und Politische Wissenschaft. Studienorte waren Heidelberg, G\u00f6ttingen, Cambridge (Emmanuel College), Nancy und Paris. 1950 legte er in G\u00f6ttingen in den erstgenannten F\u00e4chern das Staatsexamen f\u00fcr das H\u00f6here Lehramt ab. Nach einer vor\u00fcbergehenden T\u00e4tigkeit als Wissenschaftlicher Assistent am G\u00f6ttinger Historischen Seminar (bei Percy Ernst Schramm) hat er dann das Studium der zweitgenannten F\u00e4cher vornehmlich an den genannten ausl\u00e4ndischen Universit\u00e4ten vertieft. 1954 wurde er in Cambridge als Doctor of Philosophy im Fach Modern Diplomatic History promoviert (bei Herbert Butterfield). 1958 erwarb er in Nancy das Dipl\u00f4me d\u00b4Etudes Sup\u00e9rieures Europ\u00e9ennes und legte 1962 an der Universit\u00e4t Paris (damals noch gleichbedeutend mit der Sorbonne) das Examen f\u00fcr den Docteur en Droit ab, was ihn mit Pierre Renouvin und der franz\u00f6sischen Schule der Geschichte der Internationalen Beziehungen zusammenf\u00fchrte, sp\u00e4ter auch mit Jean-Baptiste Duroselle und Ren\u00e9 Girault.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit 1960 war Hilbert als akademischer Lehrer t\u00e4tig, 1960-1962 als Lecteur\u00a0 an der Ecole des Cadres des Sciences Economiques in Paris, 1961 und 1962 zugleich an der Facult\u00e9 de Droit Compar\u00e9 in Luxemburg, seit 1963 als Professor an der Ecole des Hautes Etudes Commerciales und gleichzeitig als Lehrbeauftragter an der Facult\u00e9 de Droit an der Universit\u00e4t Paris. 1968 wurde Hilbert dann, nach einer Umhabilitierung auf der Grundlage seiner Ver\u00f6ffentlichungen und T\u00e4tigkeiten, zum Wissenschaftlichen Rat und Professor an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen ernannt. Am dortigen Seminar f\u00fcr Zeitgeschichte, das erst Anfang der 1960er Jahre vor dem Hintergrund der problembehafteten j\u00fcngsten deutschen Vergangenheit gegr\u00fcndet worden war, hat er bis zu seiner Entpflichtung im Jahre 1990 Generationen von Studierenden in \u201eQuellenkunde und Geschichte der europ\u00e4ischen Diplomatie und des Vertragswesens\u201c (seine Venia) ausgebildet und das hohe Ansehen dieses in Deutschland einzigartigen universit\u00e4ren Instituts mitgepr\u00e4gt, zusammen mit dessen unvergessenem Gr\u00fcndungsdirektor Gerhard Schulz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das breite Hauptthema Hilberts in Forschung und Lehre war die Geschichte der Au\u00dfenpolitik und\u00a0 der Internationale Beziehungen im 19. und 20. Jahrhundert, in einer Zeit, als diese Thematik an deutschen Universit\u00e4ten wenig pr\u00e4sent war. Schwerpunkte bildeten Krieg und Frieden, die Internationalen Organisationen, die deutsch-franz\u00f6sischen Beziehungen, Milit\u00e4r- und R\u00fcstungsgeschichte, vor allem auch die Europ\u00e4ische Integration. Er publizierte gleicherma\u00dfen in deutscher, englischer und franz\u00f6sischer Sprache. Das Thema seiner Cambridger Dissertation von 1954 lautete: \u201eThe r\u00f4le of Military and Naval Attach\u00e9s in the British and German Service, with particular reference to those in Berlin and London, and their effect on Anglo-German relations, 1871-1914\u201c. Die Entstehung und Funktion des den diplomatischen Vertretungen im europ\u00e4ischen Ausland seit der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts beigeordneten Milit\u00e4rattach\u00e9s faszinierten ihn in besonderer Weise. Die Abschlu\u00dfarbeit in Nancy von 1958 weitete die Thematik noch aus: \u201eLes rapports entre les pouvoirs civil et militaire en France, en Grande-Bretagne et en Allemagne au d\u00e9but du 20e si\u00e8cle\u201c. In der Folgezeit griff er die genannten Themenschwerpunkte in verschiedenen kleineren Beitr\u00e4gen wieder auf und erweiterte sie. Die geplante gr\u00f6\u00dfere Studie \u00fcber R\u00fcstung und Waffenlieferungen am Vorabend des Ersten Weltkriegs blieb freilich unvollendet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer Hilbert kennenlernte, begegnete einem weltl\u00e4ufigen Herrn mit einem Hauch feiner englischer, auch konservativer, Lebensart. Perfekt Englisch und Franz\u00f6sisch sprechend, f\u00fchlte er sich in Cambridge ebenso wie in Paris zu Hause, aber auch in Br\u00fcssel oder Luxemburg. Immer wieder \u00fcberraschte er durch hochkar\u00e4tige pers\u00f6nliche Verbindungen, die ihm im Laufe seines akademischen und beruflichen Werdegangs international zugewachsen waren. Dazu geh\u00f6rte auch, da\u00df er, offenbar als einziger westdeutscher Historiker, dem Kreis der Gr\u00fcndungsmitglieder der 1969 von Fernand L\u00b4Huillier (Universit\u00e4t Strasbourg) inspirierten \u201eAssociation Internationale d\u00b4Histoire Contemporaine de l\u00b4Europe\u201c (AIHCE) angeh\u00f6rte, die nach der sowjetischen Niederschlagung des Prager Fr\u00fchlings den osteurop\u00e4ischen Historikern die T\u00fcr zu den westeurop\u00e4ischen Kollegen offen hielt, und die bis heute besteht. 1989 wurde er als Fellow in die Royal Historical Academy in London gew\u00e4hlt. W\u00e4hrenddessen hatten es die T\u00fcbinger Studenten, aber auch mancher Fachkollege, mit einem Professor alter Schule zu tun, der, manchmal recht energisch, in Mode kommende Aufweichungen wissenschaftlicher Qualit\u00e4tsstandards stets zur\u00fcckwies.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Ruhestand blieb Hilbert dem Seminar f\u00fcr Zeitgeschichte eng verbunden. Mit seiner internationalen Erfahrung nahm er \u00fcber viele Jahre, nach Art eines <em>elder statesman,<\/em> weiter aktiv am akademischen Leben teil, in T\u00fcbingen und dar\u00fcber hinaus, mit Lehrveranstaltungen, studentischen Exkursionen, Pflege der kollegialen Community, Besuch von Kolloquien (wie denen des Komitees) und einigen Publikationen. Insgesamt eher ein Einzelk\u00e4mpfer, und sich in den letzten Jahren mehr und mehr zur\u00fcckziehend, verstarb er 90-j\u00e4hrig im Kreise seiner weiteren Familie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Franz Knipping<\/strong><br \/>\nProfessor emeritus. Bergische Universit\u00e4t Wuppertal<\/p>\n<div class=\"wp-socializer wpsr-share-icons\" data-lg-action=\"show\" data-sm-action=\"show\" data-sm-width=\"768\"><div class=\"wpsr-si-inner\"><div class=\"socializer sr-popup sr-32px sr-squircle sr-opacity sr-pad\"><span class=\"sr-facebook\"><a data-id=\"facebook\" style=\"color:#ffffff;\" rel=\"nofollow\" href=\"https:\/\/www.facebook.com\/share.php?u=\" target=\"_blank\" title=\"Share this on Facebook\"><i class=\"fab fa-facebook-f\"><\/i><\/a><\/span>\n<span class=\"sr-twitter\"><a data-id=\"twitter\" style=\"color:#ffffff;\" rel=\"nofollow\" href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?text=%20-%20%20\" target=\"_blank\" title=\"Tweet this !\"><i class=\"fab fa-twitter\"><\/i><\/a><\/span>\n<span class=\"sr-linkedin\"><a data-id=\"linkedin\" style=\"color:#ffffff;\" rel=\"nofollow\" href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/sharing\/share-offsite\/?url=\" target=\"_blank\" title=\"Add this to LinkedIn\"><i class=\"fab fa-linkedin-in\"><\/i><\/a><\/span>\n<span class=\"sr-pdf\"><a data-id=\"pdf\" style=\"color:#ffffff;\" rel=\"nofollow\" href=\"https:\/\/www.printfriendly.com\/print?url=\" target=\"_blank\" title=\"Convert to PDF\"><i class=\"fa fa-file-pdf\"><\/i><\/a><\/span>\n<span class=\"sr-share-menu\"><a href=\"#\" target=\"_blank\" title=\"More share links\" style=\"color:#ffffff;\" data-metadata=\"{&quot;url&quot;:&quot;&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;excerpt&quot;:&quot;&quot;,&quot;image&quot;:&quot;&quot;,&quot;short-url&quot;:&quot;&quot;,&quot;rss-url&quot;:&quot;http:\\\/\\\/www.historikerkomitee.de\\\/?feed=rss2&quot;,&quot;comments-section&quot;:&quot;comments&quot;,&quot;raw-url&quot;:null,&quot;twitter-username&quot;:&quot;&quot;,&quot;fb-app-id&quot;:&quot;&quot;,&quot;fb-app-secret&quot;:&quot;&quot;}\"><i class=\"fa fa-plus\"><\/i><\/a><\/span><\/div><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 22. 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