Nachruf auf Hans Manfred Bock

Das Deutsch-französische Historikerkomitee trauert um sein langjähriges Mitglied Hans-Manfred Bock, der am 22. August 2022 im Alter von 82 Jahren verstorben ist.

Mit Hans Manfred Bock verliert die deutsch-französische Wissenschaftscommunity einen ihrer wichtigsten und engagiertesten Mittler. Bei nur wenigen Wissenschaftler:innen sind der Lebenslauf und die Themen, mit denen sie sich befassen, so eng und produktiv miteinander verbunden wie bei Hans Manfred Bock. Er engagierte sich in vielfältiger Weise in Frankreich wie in der Bundesrepublik dafür, die Kenntnisse über das jeweilige Nachbarland zu mehren und zu differenzieren. Zugleich gehörte die Beschäftigung mit den Kulturvermittler:innen beider Länder zu seinen wichtigsten Themenfeldern. Hans Manfred Bock war zwar „von Hause aus“ kein Historiker – er hatte Politikwissenschaften, Germanistik und Romanistik studiert –, wurde aber schon lange von Historiker:innen als einer der ihren angesehen und daher auch selbstverständlich Mitglied im deutsch-französischen Historikerkomitee

Geboren und aufgewachsen in Kassel, ging er zum Studium zunächst nach Marburg und bald nach Paris. Nach einem Jahr als Lektor in Orléans führte ihn die Promotion wieder zurück nach Marburg zu Wolfgang Abendroth. Sein Thema war schon klar historisch – es ging um Syndikalismus und Linkskommunismus in der frühen Weimarer Republik –, bewegte sich aber noch im rein deutschen Kontext. 1968, als Frankreich das wohl aufregendste Jahr der Nachkriegsgeschichte erlebte, ging er als DAAD-Lektor an die Sorbonne, bevor er dann 1969 am Aufbau des germanistischen Instituts der Universität Paris III beteiligt war und dorthin wechselte. Bereits 1972 erhielt Bock einen Ruf an die gerade neu gegründete Gesamthochschule Kassel, wo er – immer wieder unterbrochen von Gastprofessuren in Frankreich und in den USA – bis zu seiner Emeritierung tätig war.

Inhaltlich blieb er zunächst seinem Dissertationsthema noch treu, indem er sich immer wiederkehrend mit dem linksradikalen Milieu der Zwischenkriegszeit befasste, wendete sich dann aber verstärkt der Beschäftigung mit Frankreich zu. Waren dies zunächst noch klassisch politikwissenschaftliche Beiträge zu den politischen Parteien und zum politischen System Frankreichs, wurde dann seit den 1990er Jahren die Beschäftigung mit deutschen und französischen Intellektuellen und ihre Rolle als Kulturvermittler:innen zu seinem eigentlichen Lebensthema. In diesem Kontext ist eine Vielzahl von wichtigen Beiträgen und Arbeiten zu einzelnen Personen wie Pierre Bertaux, Robert Curtius oder André François-Poncet aber auch zu grundlegenden Fragen der deutsch-französischen Kulturbeziehungen insgesamt entstanden. Ein von François Beilecke und Katja Marmetschke als Festschrift für Hans Manfred Bock herausgegebener Sammelband (Der Intellektuelle und der Mandarin. Für Hans Manfred Bock, Kassel 2005) gibt nicht nur Auskunft über die Anregungen, die von Bocks Arbeiten ausgegangen sind, sondern enthält zudem eine vollständige Bibliographie seiner Bücher und Aufsätze. Viel Zeit investierte er nicht zuletzt schließlich in die Zeitschrift lendemains, die er zwischen 2000 und 2012 mit herausgab.

Für all diejenigen, die sich mit den Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich in intellektueller und kultureller Hinsicht befassen, werden seine Forschungen auch künftig ein unverzichtbarer Bezugspunkt bleiben.

Jörg Requate, Universität Kassel

Frankreich – DDR

Veröffentlichung: Anne Pirwitz und Dorothee Röseberg (Hg): Frankreich – DDR: zwischen Ideologie, Bücherwissen und persönlichen Begegnungen, in: Leibniz Online, Internetzeitschrift der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin e.V., Nr. 47, 2022

Wird heute in der Politik, den Medien oder den Schulen von den deutsch-französischen Beziehungen der Nachkriegszeit gesprochen, so geht es meist um de Gaulle und Adenauer, den Elysée-Vertrag oder das Deutsch-Französische Jugendwerk. Doch neben diesen vielfach thematisierten Formen des Engagements für die deutsch-französische Freundschaft, gab es auch zwischen Frankreich und der DDR Beziehungen, die nachhaltige Wirkung zeigten. Frankreich als Land der französischen Revolution, der Pariser Commune und der Résistance war für die DDR von besonderem Interesse. Insbesondere die Tatsache, dass sich die kommunistische Partei (PCF) in Frankreich großer Beliebtheit erfreute und mehrere Städte von kommunistischen Bürgermeister(inne)n verwaltet wurden, führte dazu, dass die Beziehungen zu Frankreich auch von den DDR-Organen politisch gewollt waren. Sie sollten dazu dienen, die Anerkennung der DDR in Frankreich voranzutreiben, die bundesdeutsche Hallstein Doktrin zu unterwandern und die DDR als besseren deutschen Staat zu präsentieren. Insbesondere die 1958 in Frankreich gegründete zivilgesellschaftliche Organisation EFA, Échanges franco-allemands, setzte sich für die Beziehungen zum „anderen“ Deutschland ein. (…)

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