
Quelle: Archiv der sozialen Demokratie (AdsD) 6/FOTB088160
Beatrix Bouvier war eine international hoch angesehene Repräsentantin der Forschungen zur europäischen Politik- und Sozialgeschichte mit Schwerpunkten in der Geschichte der Arbeiterbewegung, der Geschichte der Bundesrepublik und der DDR sowie der deutsch-französischen Verflechtungen.
Bouvier hat das Historikerkomitee in seinen Gründungsjahren nach 1988 wesentlich mit geprägt. Damals galt es, zwischen grundlegend unterschiedlichen französischen und deutschen Traditionen und wissenschaftlichen Organisationformen eine gemeinsame Linie zu finden. Daraus hervorgegangen ist die damals erste transnational auch rechtlich voll integrierte deutsch-französische WissenschaftlerInnen-Organisation. Bouvier hat daran maßgeblich mitgewirkt. 1994 wurde sie in den Vorstand gewählt, 1996-1998 war sie Präsidentin und 1998-2000 Generalsekretärin.
1944 in Teterow in Mecklenburg geboren, blieb Bouvier den Ländern der späteren DDR persönlich und wissenschaftlich immer verbunden. Damit kam ihr eine besonders prägende Rolle auch im deutsch-französischen Austausch zu. Ausgehend von ihrer Frankfurter Promotion 1969 (publiziert 1972) über die im Pariser Exil-Widerstand gegründete „Deutsche Freiheitspartei“ im Dritten Reich, entwickelte sie eine brillante Wirkung in ihrer umfassenden Vortrags- und Publikations-Tätigkeit. In ihren vier weiteren eigenen Büchern vertiefte sie in „Französische Revolution und deutsche Arbeiterbewegung“ 1982 diese Partnerschaft. „Zwischen Godesberg und Großer Koalition“ analysierte 1990 den Weg der SPD in die Regierungsverantwortung und im Kontrast dazu „Ausgeschaltet!“ 1996 das Ende der SPD in der DDR. „Die DDR – ein Sozialstaat?“ (2002) konfrontierte das offizielle Selbstverständnis der DDR mit dem Alltag der vielfältigen Mangelwirtschaft und der hohen Belastung der Frauen in dieser Versorgungsdiktatur. Stets beruhten Bouviers Bücher auf eigener Archivarbeit, so auch schon rasch nach 1989 in den SED- und Stasi-Archiven der DDR.
Eine umfassende Herausgebertätigkeit mit sieben weiteren Büchern und einer Fülle von Aufsätzen und Vorträgen spiegelte in ständiger internationaler und thematischer Erweiterung ihre weit gespannten wissenschaftlichen Vernetzungen wider und ihre stets ebenso bescheidene wie ausdauernde Mit-Gestaltung der deutsch-französischen Wissenschaftskooperationen. Ihre vorzüglichen Französisch-Kenntnisse unterstützten dies. Die Themenvielfalt reichte bis zur Kulturgeschichte des Fußballs. In den Führungsgremien zahlreicher Institutionen der Sozial- und Politikgeschichts-Forschung trug sie wesentlich bei zu deren Ausstrahlung in breite Felder der Gesellschaft, darunter im Beirat der Bundesstiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur.
Nach mehrjähriger Tätigkeit im Bundesarchiv in Berlin und Koblenz wurde sie 1977 Mitarbeiterin der Friedrich Ebert Stiftung in deren Institut für Sozialgeschichte in Braunschweig und Bonn und verantwortete unter anderem lange die Schriftleitung des „Archiv für Sozialgeschichte“. 1993 bot ihr die Universität Darmstadt, an der sie seit 1988 lehrte, die Habilitation an und ernannte sie 1998 zur Professorin.
2003 bis 2009 leitete Bouvier das Karl-Marx-Haus der Friedrich-Ebert-Stiftung in Marx‘ Geburtshaus in Trier, das sie in Vorträgen, Publikationen und Ausstellungen zu einem weit in die Öffentlichkeit ausstrahlenden Forschungszentrum entwickelte. Ihre eigenen Publikationen und die von ihr herausgegebenen Werke erschlossen breite Felder der politischen Kultur in verschiedenen Ländern im 19. und 20. Jahrhundert, bis zur Kultur- und Sozialgeschichte des Fußballs. In Trier wirkte sie ebenfalls mit bei der Gründung der deutsch-chinesischen Gesellschaft und kuratierte mitverantwortlich mehrere der großen rheinland-pfälzischen Landesausstellungen, darunter 2018 zu „Karl Marx 1818–1883“. Noch im Januar 2026 führte sie ihr Engagement für die Geschichte der Sinti und Roma fort.
Am 19. März 2026 ist Beatrix Bouvier nach kurzer schwerer Krankheit in Bonn gestorben.
Rainer Hudemann, Paris und Saarbrücken


Traitant d’un des sujets 2026 de l’agrégation externe d’Allemand, cet ouvrage propose tout ce dont le candidat a besoin pour passer les épreuves.
Les dernières heures du IIIe Reich commencent avec la mort de Hitler, le 30 avril 1945, dans son bunker à Berlin. Le gouvernement nazi ne disparaît pas pour autant mais se réorganise à Flensbourg autour de l’amiral Dönitz.
Demokratie zeigte auf Länderebene oft ein anderes Gesicht als in der Reichs- bzw. Bundeshauptstadt. Dies belegt Bernhard Gottos Studie über das bayerische Finanzministerium. Er untersucht, wie sich die Regimewechsel von 1918, 1933 und 1945 auf die Verwaltungskultur auswirkten, welche Kontinuitäten das Verwaltungshandeln prägten und wie politische und gesellschaftliche Wandlungsprozesse administrative Routinen veränderten. Seine Studie macht deutlich, dass die Leitungsbeamten die Weimarer Demokratie auch als Chance begriffen. In der NS-Diktatur wurden Ministerialbeamte hingegen zu Tätern, obwohl sie nur geringen Anteil an der fiskalischen Judenverfolgung hatten. Nach 1945 prägte der Statusverlust durch die Entnazifizierung das Demokratieverständnis der Beamten, sodass diese eine autoritäre und misogyne Auffassung von Staatsdienst konservierten. Dagegen manifestierte sich im Kerngeschäft des Staatshaushalts, in der Öffentlichkeitsarbeit und in der Binnenstruktur des Ministeriums bereits in den 1950er Jahren ein substanzieller Demokratisierungsschub, während die partizipatorischen Aufbrüche der 1960er und 1970er Jahre kaum Spuren hinterließen.
Mit der Pariser Wochenzeitung Die Zukunft (1938–1940) gründeten Willi Münzenberg, der einflussreichste antifaschistische Medienmacher der Zwischenkriegszeit und der Katholik Werner Thormann ein visionäres Sprachrohr aller Hitler-Gegner. Unterstützt wurden sie dabei von Arthur Koestler und Manès Sperber sowie progressiven Christen und Sozialisten. Noch kurz vor dem Einbruch des Zweiten Weltkriegs entstand ein deutsch-französisches und europäisches Netzwerk, eine neue demokratische Alternative zum Kampf gegen das Hitlerregime und seinen Helfer Stalin: eine neue christlich-sozialistische Symbiose für ein neues Deutschlands in einem vereinten Europa.
La certitude d’assister à un moment de bascule dans les équilibres du monde dessine la fin d’une ère qui a commencé en 1989-90, dans l’incrédulité, l’inquiétude mais aussi dans une joie intense. Plus encore que les changements réels qu’elle a entraînés, c’est le souvenir d’émotions puissantes qui fait la postérité de 1989, rare césure positive de l’histoire contemporaine.
L’histoire de la justice ouest-allemande après 1945 ne se résume pas à la question du passé national-socialiste. À travers l’histoire des rapports entre justice et médias, c’est le processus complexe d’adaptation d’une institution à la démocratie et aux mutations de l’après-guerre qui se dévoile. En se fondant sur une étude inédite du travail des services de presse de la justice et du quotidien des rapports entre magistrats et journalistes à différentes échelles, l’analyse montre comment les acteurs judiciaires ont réagi aux revendications des médias en matière d’accès à l’information ou encore à l’essor de la radio, puis de la télévision. À rebours de toute vision monolithique, cette histoire culturelle de la justice ouest-allemande entre 1945 et 1963 met au jour une pluralité de discours et de pratiques et des rapports aux médias
Le dernier volume du Comité franco-allemand de l’histoire des XIXe et XXe siècles examine les origines et l’évolution du concept de solidarité, ainsi que les pratiques de l’action solidaire dans un espace transnational. Les différentes contributions s’intéressent aux penseurs comme aux praticiens de la solidarité, aux réseaux qui ont développé des pratiques d’assistance mutuelle, aux dimensions solidaires de l’État-providence, enfin aux tentatives pour transposer ce dernier au niveau européen grâce à la coopération intersyndicale ou au projet d’« Europe sociale ». Les conditions de la solidarité européenne dans le contexte de la politique extérieure et des relations Est-Ouest sont également abordées, de même que la mondialisation des pratiques solidaires face à la guerre et aux migrations forcées. Plusieurs contributions s’inscrivent dans le débat scientifique sur la dimension éthique de la solidarité, débats qui associent éthique de la responsabilité, solidarité idéologique et rôle des intérêts propres dans l’action solidaire.
Ni complète ni irréprochable, la dénazification s’est donné pour ambition d’épurer et de rééduquer une population allemande jugée coupable d’avoir soutenu jusqu’au bout le régime criminel d’Adolf Hitler.
So unterschiedlich die Formen und Praktiken der Gewalt sein mögen, so unterschied- lich können auch ihre Wahrnehmung und die Emotionen ausfallen, die sie hervorbringt. Gewalt kann Schmerz, Schrecken, Entsetzen und Trauer genauso erzeugen wie Gleichgültigkeit, Triumphgefühle oder Genugtuung. Die Frage, wie Gewalt wahrgenommen wird und welche Emotionen mit ihr verbunden sind, hängt von vielen Faktoren ab: davon, ob jemand auf der Seite der Opfer, der Täterinnen und Täter oder der Zeuginnen und Zeu- gen steht, davon, ob Gewalt als legitim oder illegitim empfunden wird oder davon, wie nah oder wie fern die Gewalt ist und in welcher Weise sie medial vermittelt wird. Ziel der Tagung ist es, das komplexe Verhältnis von Gewaltausübung und Gewaltwahrnehmung im Kontext der deutsch-französischen Geschichte und davon ausgehend im europäischen und dem damit verbundenen globalen Raum in den Blick zu nehmen.
Depuis les années 1970, un champ de recherche interdisciplinaire se développe sur les questions de santé reproductive et sexuelle, approchées depuis une perspective genrée et articulées avec un questionnement sur les conflits de légitimité entre savoirs sur la santé au sein des mobilisations de femmes. À partir de travaux portant sur l’Allemagne de l’Ouest, l’Europe francophone, le Mali et le Sénégal, ce dossier croise des réflexions issues de travaux sur la construction des frontières de la médecine instituée avec des approches propres à l’étude des mouvements sociaux. Les autrices interrogent notamment la place que prend l’engagement des femmes dans les conflits de légitimité entre savoirs sur leur santé. Contestent-elles les savoirs médicaux ou se les approprient-elles ? Comment les traduisent-elles en pratiques ? Produisent-elles de nouveaux savoirs sur la santé des femmes ? Et si oui, le font-elles en lien avec le corps médical ?